K-Pop, Kimchee, Gyoenbokgung und WorldMUN- Ein Blick hinter die koreanischen Kulissen

Ob in der durch den König Sejong im 15. Jahrhundert erfundenen Sprache, oder den verschiedensten Facetten des alltäglichen Lebens; Korea besitzt einen einzigartigen Charakter, den man weder europäisch noch asiatisch nennen kann.

Koreanischer Markt (photo: Amélie Grain)
Koreanischer Markt (Photo: Amélie Grain)

Publié le by Lukas Schneider (author)

 

Auf dem Papier verbindet Slowenien und Südkorea nicht viel. Die vergangene Woche sollte die beiden Länder zu mindestens diplomatisch annähern. Fast die gesamte Delegation von 9 Vertretern aus Nancy übernahm die ehrenvolle Aufgabe den Adriaanreiner, der eher mit Skierfolgen als mit diplomatischen Coups auf sich aufmerksam macht, zu vertreten. Unter dem ehrenvollen Namen Harvard World Model United Nations, der zu mindestens seinem internationalen Charakter alle Ehre macht, versammelten sich 2400 Studenten aus 80 Ländern der Welt in Seoul, Südkorea. Die 1991 gegründete WorldMUN gehört sicherlich nicht zu den traditionsreichsten MUN’s, zieht aber unter anderem durch seine elitäre Organisation der Harvard Universität am meisten Studenten weltweit an.

 Das Publikum der WorldMUN lässt sich in dreierlei Schichten aufteilen. Da sind zum einen die hochengagierten, mit wohltemperierten Oxford Akzent ausgestatteten  Südamerikaner und wohlgemerkt Belgier, die sehr viel daran setzen, sich als Leitwolf und nebenbei als Best Delegate auszuzeichnen. Mit höchst metaphorischen Sätzen, wie „It’s crucial to tackle this issue“ oder Lieblingswörtern von „Implementation“ bis „Core Projects“ ausgestattet, konnten insbesondere die MUN Society Belgium  und die Universidad Católica Andrés Bello aus Venezuela mit einer exzellenten Vorbereitung glänzen. Mit bereits präparierten „draft resolution points“ und mehreren „academic advisors“, schien von Anfang an ein größeres Startkapital vorhanden zu sein.

Deutsch-Koreanische Parade

Deutsch-Koreanische Parade

Zu der breiten Mittelschicht, in die sich auch UNAN Nancy einordnen musste, ließen sich vor allem europäische und taiwanesische Universitäten, die englischen  G-5-Universitäten nicht ausgeschlossen, zuordnen. Schnell wurde aber auch klar, dass die zweite Amtssprache nicht etwa Französisch war, sondern in deutscher Hand lag. Schätzungsweise 25% Deutsche aus sämtlichen Universitätsstädten sorgten dafür, dass bilaterale Gespräch sehr oft in der Muttersprache geführt worden sind. Gemeinhin kennzeichnete sich die große Mittelschicht durch große Mitläuferkompetenzen oder aber durch konstruktive Mitarbeit an der „final resolution“ hinter der Tür. Teilweise führte die Beteiligten-Mitläufer Figuration dazu, dass Thailand und Syrien ein 350-köpfiges Komitee dominierten, wohingegen die USA und Russland sich eher dem Briefeschreiben widmeten.

Die dritte Schicht, weitaus schwächer vertreten, sah in der WorldMUN vor allem ein großes Partyevent. WorldMUN, das bedeutet auch 5 organisierte Social Events, die in Südkorea einen ganz besonderen Rahmen bekommen haben. Das Octagon im Gangnam-Viertel, Party beim Schlittschuhfahren oder das Abschiedsevent auf 3 künstlichen Inseln; WorldMUN 2015 lud viele dazu ein, die Nacht zum Tag und den Tag zur Nacht zu machen.

Trotz der 5-tägigen Konferenz sollten freie Stunden und Tage dazu einladen, die 22-Millionenstadt Seoul zu entdecken. Doch allein die Dimensionen machten das Sightseeing nicht immer zu einem schnellen Vergnügen. Mehrmalige 90 minütige U-Bahnfahrten sollten aber zu mindestens soziologisch von großem Interesse sein.

Ein Südkoreaner ohne 5 Zoll Smartphone wird in der Metro sehr schnell zum Außenseiter. Dass Südkorea seinen Ruf als Technologiehochburg absolut halten kann, zeigen vielerlei Beispiele. Von Flagshipstores der Technologieriesen LG und Samsung angefangen, über PC-Rooms bis hin zu vernetzten Hotelzimmern inklusive Multimedia-Toilette; Südkorea zeigt sich nicht nur technologisch als Early Adopter.

Shopping-Paradies Insadong

Shopping-Paradies Insadong

 

Ähnlich beobachtet man in der U-Bahn ein altersübergreifendes Modebewusstsein, das seinesgleichen sucht. Dachte man doch eigentlich, dass die Hipstermode ihren Anfang in den europäischen Metropolen nahm, so könnte man denken, Seoul sei der Ursprung des neuen Szenebewusstseins. Longboard- und Fixiefahrer, 24 Stunden Shoppingmalls und einfliegende Shoppingtouristen aus ganz Asien gehören so genauso  zum Stadtbild wie der 700 Jahre alte Gyoenbokgungpalast.

Trotz all dieser Ähnlichkeiten zu der westlichen Welt, die einem nicht nur die Austauschfähigkeit von Produkten, sondern auch der Hang zu expressiver Mode beweist,  bewahrt das Land seine kulturelle Identität.

Selbst in einem überfüllten U-Bahn Wagen bleiben des Öfteren Plätze leer, welche ohne Umstände für ältere Menschen reserviert sind. Höflichkeit, nicht nur gegenüber älteren Menschen, gehört zu den Werten, die auch im Alltagsleben besonders hervorstechen. Ein traditionelles koreanisches BBQ mit obligatorischem Nationalgericht Kimchee(eingelegter Kohl) endet so, in Anwesenheit eines Koreaners, fast immer mit einer Einladung der ausländischen Seite.

Auch kulinarisch bleibt das Land seiner Tradition treu: An kniehohen Tischen probiert man sich mit Stäbchen von einer Spezialität zur anderen. Bei 5 Leuten kommen so sehr schnell bis zu 45 Teller zusammen, die mit eingelegtem Gemüse, getrockneten Sardinen, kleinen Süppchen und Reis bestückt sind. Nach einem Abendessen unter Freunden folgt das fast obligatorische Karaoke-Singen. Ob zu Justin Bieber oder dem neuesten K-Pop Hit, Koreaner treffen eigentlich immer den richtigen Ton.

 

Banchan-Koreanische Beilagen

Banchan-Koreanische Beilagen

Ob in der durch den König Sejong im 15. Jahrhundert erfundenen Sprache, oder den verschiedensten Facetten des alltäglichen Lebens; Korea besitzt einen einzigartigen Charakter, den man weder europäisch noch asiatisch nennen kann. Die koreanische Musik kann davon nur ein Lied singen…

https://www.youtube.com/watch?v=qFjP-OJ7Bh4

 

 

 

 

 

 

   

Longboard- und Fixiefahrer, 24 Stunden Shoppingmalls und einfliegende Shoppingtouristen aus ganz Asien gehören so genauso  zum Stadtbild wie der 700 Jahre alte Gyoenbokgungpalast. 

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